Seit September 2008 mache ich einen internationalen Freiwilligendienst bei den Salesianern Don Boscos in Abidjan, Elfenbeinkueste. Hier arbeite ich fuer ein Jahr im Foyer Magone, einem Zentrum fuer Strassenkinder.
Seit fast 11 Monaten bin ich schon schon in Afrika – und nur ein Tag bleibt mir noch. Unglaublich aber wahr. Dieses (beinahe) Jahr ist mir zu einem der wichtigsten und spannendsten geworden, denn ich habe in dieser fremden Welt hier vieles kennen gelernt und erfahren; auch ueber mich selber. Die Monate sind fuer mich wie im Fluge vergangen und mit ihren Hoehen und Tiefen konnte ich diese Zeit ganz bewusst geniessen oder manchmal auch einfach nur aushalten. Schwierige Momente waren z.B. auch mehrfache Malaria und sonstige gesundheitliche Maekeleien.
Das groesste Problem zu Beginn war mein Franzoesisch, das sich dann zum Glueck recht schnell weiterentwickelt hat und jetzt auf dem Stand ist, dass ich so gut wie alles verstehe und mich halbwegs ausdruecken kann. Fuer den Alltag mit den Strassenkindern und das Leben in einer anderen Kultur ist das die absolute Voraussetzung.
Das Leben hier war gepraegt von Gegensaetzen, was typisch fuer die Metropole Abidjan ist: einerseits westlich beeinflusst und auf der anderen Seite tiefe afrikanische Wurzeln. Die Realitaet der Strassenkinderproblematik und der grossen Armut vor der Haustuer haben mich in den letzten Monaten immer sehr beschaeftigt und vieles aus neuen Blickwinkeln sehen lassen.
Durch das enge Zusammenleben mit den Salesianern Don Boscos hat Religion fuer mich bei meiner 24-Stunden-Arbeit eine wichtige Rolle gespielt und mir bei der Entscheidung geholfen, im September mein Theologie- und Philosophiestudium im Priesterseminar Muenster zu beginnen.
Mit der Zeit hatte ich immer mehr das Gefuehl hier am richtigen Platz zu sein und ich konnte mich immer freier bewegen: Busfahrten in huehnerbeladenen Rostkarren, strenge Polizeikontrollen, das staendig-als-Weisser-auffallen und auf seine eigene Sicherheit achten, an Marktstaenden ohne Skrupel handeln, von allen angesprochen werden, afrikanische Mode tragen, alles moegliche am Strassenrand essen, das gewoehnungsbeduerftige tropische Klima etc. Das alles ist normal geworden, ich kann fast sagen “mein Revier”. Entsprechend faellt mir der Abschied jetzt auch schwer, schliesslich war ich hier staendig mit den Kindern, meinen Kollegen und Freunden zusammen die ich ab uebermorgen nicht mehr sehen werde (vorerst zumindest).
Trotz allem wurde gestern ausgelassen im Foyer Magone gefeiert, weil ausser mir auch Frère Wilfrid und ein anderer Betreuer gleichzeitig aufhoeren werden. Nach einem ausgiebigen Essen sangen die Kinder herzzerreissende selbstgedichtete Lieder fuer uns und in Sketchen spielten sie uns nach. Wir kamen alle aus dem Lachen nicht mehr raus. Herrlisch.

fuer Frère Wilfrid, mich und Thomas wurde kraeftig gesungen; hinterher gab es fuer uns Geschenke
Zum Abschied habe ich huebsche traditionelle Instrumente bekommen – wie sich das fuer den “Musiklehrer” des Hauses gehoert.
Morgen werde voll und ganz ein letztes Mal das straffe Vormittagsprogramm mit den Kinder auskosten und abends werde ich vom ivoirischen Boden dann abheben und Dienstagmorgen in Duesseldorf wieder aufsetzen.
Ich sage DANKE an alle, die meinen Blog im letzten Jahr aufmerksam verfolgt haben (es gab insgesamt 3800 Besucher) und an meine Freunde, Verwandte und Bekannte, die mich bei meinem “Erlebnis Elfenbeinkueste” immer wieder unterstuetzt haben!
Schoene Gruesse aus Abidjan und bis demnaechst in Deutschland!