Seit September 2008 mache ich einen internationalen Freiwilligendienst bei den Salesianern Don Boscos in Abidjan, Elfenbeinkueste. Hier arbeite ich fuer ein Jahr im Foyer Magone, einem Zentrum fuer Strassenkinder.

Puenktlich zum Ferienbeginn habe ich mit den Kindern ein Grossprojekt abschliessen koennen: Die Wand des Nachbarhauses an unserem kleinen Fussballterrain des Foyer Magones war uns allen mit ihrem Schwarz-Grau ein Dorn im Auge. Ich habe also Wandfarbe gekauft und erstmal legten alle Hand und Pinsel an fuer die braune Grundierung. Die miserable Qualitaet der Lackfarbe (verschiedene Farbtoene, staendig verklebte Pinsel) machte schon zu Beginn genug Schwierigkeiten. Mit Kreide habe ich ein Dorf, spielende Kinder, Tiere, Cocos- und Bananenpalmen etc vorgezeichnet. Mein Kollege und guter Freund Michel und ich leiteten die Kinder lediglich an in Farbwahl und Maltechnik.
Michel bei der Grundierung; man beachte die "Ueberraschungsfarbpallette" der braunen Farbe
So entstand ueber 3 Wochen ein grosses Wandgemaelde (mit einem aehnlichen, wenn auch kleineren, hatten wir im November schon den Innenhof lebendig gemacht).
Die derzeitige Regenzeit hat teilweise Schaeden an der Farbe angerichtet und auch unser Nachbar, der unbedingt Risse in dieser Wand seines Hauses ausspachteln wollte, haben die Arbeit sehr in die Laenge gezogen. Die Kinder liessen sich aber nicht entmutigen und jetzt ist der Platz fast zu schade zum Fussballspielen.

Am letzten Wochenende war ich eingeladen zu einem Forum der Alphabetisierungsorganisation unseres Stadtteils Koumassi. Dieses Kommitee besteht seit 1992 und kaempft mit 60 Ehrenamtlichen in 27 Zentren (Schulen, Pfargemeinden etc) mit Abendkursen gegen die Analphabetenrate von 57% (zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen!). Jedes Jahr koennen somit 2300 Erwachsene alphabetisiert werden.Ein grosses Problem ist dabei die Finanzierung (viele "Schueler" haben noch nicht einmal Geld fuer die Unterrichtsmaterialien). Die Politik verkuendet zwar, dass Problem erkannt zu haben und hat es in Lippenbekenntnissen als Prioritaet eingestuft - Geld wird aber nicht zur Verfuegung gestellt...kommunale Subventionen fliessen eben leider noch in private Taschen von Unternehmern.
Ich konnte in den letzten Wochen aus Deutschland fuer eine Schulung der Lehrer (ihre erste) die noetigen Finanzmittel beschaffen und bin jetzt gespannt wie diese Fortbilungen Ende Juli ablaufen werden.

stolz praesentierten die Alpha-Schueler ihre Hefte
Jetzt haben also die grossen Ferien hier begonnen (von speziellen Sommerferien kann man wegen "Dauersommer" hier ja nicht sprechen), die hier drei Monate dauern - ein Traum fuer deutsche Schueler; hier eher ein paedagogisches Desaster: Wenn man noch die 6 Wochen Lehrerstreik im Laufe des Schuljahres dazuzaehlt, bleibt nicht mehr viel Unterricht uebrig.
Im Foyer Magone haben wir entsprechend mit viel Kreativitaet unser Programm fuer die Ferien umgestellt. Ab August wird es fuer die Kinder auch "Ferienunterricht" geben, der von Jugendlichen aus der Pfargemeinde angeboten wird.
Mein Schwerpunkt liegt jetzt noch mehr bei der Musik, aber auch Quizzspiele, die thematisch nochmal die Kinderrechte aufarbeiten (siehe letzter Blog), zeichnen und Sketche. Fuer das Erzieherteam ist die Ferienzeit also anspruchsvoller - so werden die verbleibenden vier Wochen fuer mich sicherlich zu einem Endspurt und nochmal einer sehr intensiven Zeit.
Es steht aber auch noch eine Reise an in der naechsten Woche zu den beiden Projekten der Salesianer Don Boscos hier an der Elfenbeinkueste: im aeussersten Westen Douékoué und ganz im Norden Korhogo in der Savanne. Die beiden Projekte kenne ich noch nicht und so bekomme ich auchnoch einiges von diesem phantastischen Land zu sehen.

eine kleine Impression von einem Spaziergang in einem Vorort Abidjans: so sieht Kakao aus bevor er in den deutschen Supermarkt kommt; links: die Frucht am Baum; rechts: die Kerne, die noch getrocknet, erhitzt und dann gemahlen werden